VG Koblenz: Kein Anspruch auf positive Bewertung einer verlorenen Prüfungsleistung


VG Koblenz Urteil vom 26.04.2012 – 7 K 619/12

Das Verwaltungsgericht Koblenz hat in Fortführung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entschieden, ein Prüfling habe keinen Anspruch auf positive Bewertung einer Prüfungsleistung, selbst wenn diese im Gewahrsam der Universität verloren geht.

Im konkreten Fall hatte ein Student als Wiederholer im Rahmen einer Modulprüfung eine Klausur erstellt und abgegeben. Diese ging im Gewahrsam der Universität verloren. Die Universität teilte dem Prüfling daraufhin mit, dass ihm ein erneuter Wiederholungsversuch gestattet werde.

Der Prüfling hatte jedoch beantragt, man möge ihm die Prüfungsleistung als bestanden erklären, ohne dass er die Prüfung noch einmal ablegen müsse. Er habe die Prüfungsleistung ja erbracht. Es sei im Hinblick auf seine bisherigen Leistungen davon auszugehen, dass er die Prüfung mit der Note gut bestanden hätte.  

Im darauf folgenden Verwaltungsrechtsstreit vor dem VG Koblenz unterlag der Student. Seine Klage hatte keinen Erfolg, weil, so das Gericht, kein Anspruch darauf bestehe, eine fiktive Bewertung von Leistungen vorzunehmen. Gegenstand von Leistungsbewertungen können demnach nur die tatsächlich und eigenverantwortlich vom Prüfling erbrachten Leistungen sein. Dies gelte selbst dann, wenn die Arbeit ohne Verschulden des Prüflings abhandenkomme. Es bestehe allerdings ein Anspruch auf erneute Prüfung ohne Anrechnung auf die Wiederholungsmöglichkeiten.

Das Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass allgemeine prüfungsrechtliche Grundsätze eine tatsächlich erbrachte Leistung des Prüflings als Grundlage und Bezugsgegenstand der Bewertung erforderlich machen. Es würde zudem gegen den aus Art. 3 Abs. 1 GG abgeleiteten Grundsatz der prüfungsrechtlichen Chancengleichheit verstoßen, wenn dem Prüfling im Gegensatz zu allen anderen eine fiktive Leistung anerkannt würde. Schließlich erfordere es der Schutz von Gemeinschaftsgütern, dass bestimmte berufliche Qualifikationen nur dann bescheinigt werden, wenn der Prüfling diese positiv nachgewiesen hat.

Fazit:

Die Entscheidung mag für Betroffene zwar hart sein, führt jedoch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts konsequent fort, nach der die Korrektur von Bewertungsfehlern durch eine neue Bewertung nur dann möglich ist, wenn überhaupt eine Prüfungsleistung als Anknüpfungspunkt der Bewertung vorliegt, vgl. u.a. BVerwG Beschluss v. 18.02.2003 – 6 B 10/03. Betroffene sollten sich nach eingehender Prüfung des Einzelfalls überlegen, ob Sie die Wiederholungsmöglichkeit zügig nutzen, um nicht wertvolle Zeit in der Hoffnung auf eine fiktive Bewertung zu verlieren.     

(18.11.2014)

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